American Football - Das Spiel
Nein, American Football ist nicht so chaotisch, wie der erste
Eindruck glauben macht, auch wenn manchmal die
Spieler selbst nicht zu wissen scheinen, wo sich ihr eiförmiges
Spielgerät denn nun gerade befindet.
Tatsächlich läßt sich das grundsätzliche Spielprinzip in wenigen
Worten erläutern: Alles dreht sich um Raumgewinn. Eine Mannschaft
in Ballbesitz hat jeweils 4 Versuche Zeit, den Ball 10 Yards weiter
in das Territorium des Gegners zu befördern. Sind die 10 Yards
überbrückt, bleibt sie im Angriff und erhält einen neuen ersten Versuch,
("First Down"), ansonsten muß sie Ball und Angriffsrecht an das
gegnerische Team abtreten.
Um den Ball über das Spielfeld zu bewegen gibt es drei grundsätzliche
Möglichkeiten:
- Das Laufspiel: eine solide und sichere Möglichkeit, die gegen
eine massierte Abwehr allerdings nur wenig Raumgewinn erzielt. Der Spielzug
ist beendet, wenn der Spieler im Ballbesitz durch gegnerische Einwirkung
(das sogenannte "Tacklen") mit den Knien den Boden berührt.
- Das Paßspiel: mit einem weiten Paß kann deutlich größerer
Raumgewinn erzielt werden, allerdings um den Preis eines erhöhten
Risikos, denn der Ball kann sowohl von Angreifern wie Verteidigern
gefangen und anschließend bis zum Tackle durch
den Gegner weitergetragen werden. Ein nicht gefangener
("unvollständiger") Paß hat weder Raumgewinn noch Raumverlust
zur Folge.
- Das Kicken: fällt aus der Rolle, da es automatisch mit einem
Wechsel des Ballbesitzes verbunden ist. Daher wird es ausschließlich
eingesetzt, wenn mit den vorigen 3 Versuchen keine 10 Yards
überbrückt wurden und der Gegner vor dem drohenden Wechsel des
Angriffsrechts wenigstens noch so weit wie möglich zurückgedrängt
werden soll.
Und was ist nun der Lohn der ganzen Mühen, sich Yard für Yard über
das Feld gekämpft zu haben? Natürlich die Punkte, die man auf folgende
Weise erzielen kann:
- Touchdown: 6 Punkte - der Ball wird durch Paß oder Lauf
in die gegnerische Endzone befördert.
Nach einem Touchdown gibt es die Zusatzoption, aus 2 Yards
einen weiteren Versuch durchzuführen, der entweder 2 Punkte
(beim erneuten Befördern in die Endzone) oder 1 Extrapunkt
(bei einem Fieldgoal aus der kurzen Entfernung) zählt.
Wenn nicht durch den Spielstand zu anderem gezwungen
wird in der Regel der sichere Extrapunkt gewählt.
- Fieldgoal: 3 Punkte - ein Kick durch zwei Stangen in der
Endzone des Gegners. Realistische Chancen hierauf bestehen etwa ab
einer Entfernung von 30 Yards zur gegnerischen Endzone. Da natürlich
der punktereichere Touchdown erstes Ziel des Angriffs ist, wird ein
Fieldgoal meist im 4. Versuch probiert, bevor man in
Gefahr läuft, den Ball dem Gegner überlassen zu müssen.
- Safety: 2 Punkte - eine Rarität, bei der es der
verteidigenden Mannschaft gelingt, die Angreifer in deren eigener
Endzone zu Boden zu bringen.
American Football ist ein Spiel, bei dem jeder einzelne Spieler
extrem spezialisiert ist. Die einzelnen Spielzüge sind bis ins
Detail analysiert und jeder der elf Spieler einer Mannschaft auf
dem Feld hat eine genau definierte Aufgabe,
die es zu erledigen gilt. Grundsätzlich gibt es die folgenden
Spielertypen:
Offense (Angriff)
:
- Quarterback: Spielmacher und Schlüsselfigur des
Angriffs. Er ist der erste Spieler, der beim Spielzug den Ball
bekommt, übergibt diesen dann an den Running Back, wirft auf
einen Wide Receiver oder läuft
auch einmal selbst. Vor allem hat er die Defense so zu "lesen",
daß er die richtigen Entscheidungen trifft.
- Running Back: Der Ballträger. Es gibt zwei verschiedene
Typen: körperlich kräftige, bullige Läufer, die in der Lage sind,
vor allem kürzeren Raumgewinn durch die Mitte zu erzielen oder
elegante, wendige Tänzer, deren Stärke das offene Feld ist, wo
sie von einem einzelnen Verteidiger kaum zu Boden zu bringen sind.
- Full Back: Auch ein potentieller Ballträger, zumeist
aber als Vorblocker für den eigentlichen Running Back eingesetzt
oder wie dieser als Empfänger kurzer Pässe.
- Wide Receiver: Zwei bis drei Paßempfänger für die langen
Bälle, schnell und natürlich mit sicheren Händen ausgestattet, um
auch nicht optimal geworfene Pässe noch im Hechtsprung unter Kontrolle
zu bringen.
- Offensive Line: Die fünf schwersten Spieler einer Mannschaft.
Ihre Aufgabe ist es beim Laufspiel die Lücken für den Running Back
zu blocken und beim Paßspiel den Quarterback gegen die heranstürmende
Defense so lange zu schützen, bis dieser seinen Paß anbringen kann.
- Tight End: Ein Zwitterspieler, der ja nach
Spielzugauswahl blocken können soll wie ein Linienspieler
und Päße fangen wie ein Wide Receiver. Insbesondere in den
Short-Yardage-Situationen eingesetzt, wo nur noch wenig Raum bis
zum nächsten First Down oder Touchdown zu überbrücken ist.
Defense (Verteidigung)
:
- Defensive Line: Hier stehen die großen Quarterbackjäger,
deren sehnlichstes Ziel es ist, den gegnerischen Spielmacher durch
einen Tackle mit Raumverlust, den sogenannten "Sack", zu Boden zu bringen
oder gar einen "Fumble" (einen fallengelassenen Ball) zu erzwingen
und für ihr eigenes Team zu sichern. Beim Laufspiel müssen sie der
gegnerischen Ofensive Line Stand halten.
- Line Backer: Auch dies ist eine fordernde Position, die
Lücken in der Defensive Line stopfen und das Decken freier
Paßempfänger übernehmen muß. Zumeist sind es die Linebacker,
die die Spielzüge mit ihren Tackles stoppen.
- Corner Backs: Die Aufgabe der Paßverteidigung ist es,
die gegnerischen Wide Receiver hauteng zu decken und den Fang zu
verhindern. Schlecht geworfene Pässe können sie
selbst abfangen und tragen sie nicht selten durch die schwach
verteidigende Offensive weit in deren Territorium bis hin zum
Touchdown.
- Safeties: Spieler im Defense Backfield ohne direkten
Gegenspieler. Man unterscheidet den Free Safety, der Lücken in der
Paßverteidigung stopft, und den vorgezogenen Strong Safety,
der oft die letzte Bastion gegen das Laufspiel ist.
Special Teams (Spezialisten für die Kickspielzüge)
:
- Kicker: Der Spezialist für Field Goals kommt nur für
diese wenigen Schußversuche aufs Feld. Meistens nicht halb so
austrainiert wie der Rest des Teams und ein kleines, schmächtiges
Kerlchen, hat dieser Spieler doch oft genug bei auslaufender Uhr mit
dem letzten Spielzug die Entscheidung über Sieg und Niederlage
auf dem Fuß.
- Punter: Noch ein Kicher, der allerdings für die weiten
Befreiungsschläge im 4. Versuch verantwortlich ist, wenn die
Entferung für den Versuch eines Field Goals aussichtslos weit wäre.
Im Unterschied zum Kicher kickt er den Ball aus der Hand. Oft
unterschätzt nagelt ein guter Punter die gegnerische Offensive
Angrifsserie um Angrifsserie an deren eigener Endzone fest
und verhindert so indirekt Punkte.
- Returner: Nach einem Punt oder Kickoff soll dieser
Spieler den Ball auffangen und so weit wie
möglich zurücktragen, um die eigene Offense in eine
möglichst gute Feldposition zu bringen. Die Returner können Running
Backs, Wide Receiver oder sogar Defensive Backs sein, oft sind aber
auch sie reine Spezialisten. Und nicht selten leitet ein direkt zum
Touchdown retournierter Punt die unerwartete Wende in einem Spiel ein.